PM zur Demo

PRESSEMITTEILUNG

zur antifaschistischen Demonstration am 30.05.2015 in Cottbus

Am 30. Mai 2015 fand in Cottbus von 15.00-17.00Uhr eine antifaschistische Demonstration, anlässlich der Anschläge durch Neonazis auf das Hausprojekt „Zelle 79“ in der Parzellenstrasse 79 statt.

An der kämpferischen aber friedlichen Demonstration nahmen ca. 120 Antifaschist*innen teil, die vom „Glad-House“, am Turm vorbei durch die Spremberger Straße zur Oberkirche lief, wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Weiter verlief die Demonstration in südlicher Richtung zur „Zelle 79“, an der sie mit der Abschlusskundgebung endete.

In einem Redebeitrag wurde die Solidarität mit den direkt und indirekt Betroffenen des Neonazianschlags am letzten Wochenende nachdrücklich betont und über die Hintergründe aufgeklärt. Ein weiterer Beitrag kam vom Bündnis NoTDDZ und warb für die Blockaden in Neuruppin am 6. Juni 2015. Bei der Abschlusskundgebung vor der „Zelle79“ wurde noch einmal auf die Bedeutung von Hausprojekten für die antifaschistische Arbeit aufmerksam gemacht.

Anlass der antifaschistischen Demonstration waren die von Neonazis verübten Anschläge der letzten Wochen auf das Hausprojekt „Zelle79“. Wir halten unser gesetztes Ziel, uns mit dem Hausprojekt zu solidarisieren und ein breites antifaschistisches Bündnis zu demonstrieren auch an Hand der Teilnehmer*innenzahlen für erreicht. Abschließend bleibt festzustellen, dass es in Cottbus eine große Anzahl von Antifaschist*innen gibt, die sich mit dem Hausprojekt solidarisieren. Dabei wurde den Faschisten deutlich zu verstehen gegeben: „wir werden eure Einschüchterungsversuche nicht tatenlos hinnehmen“.

Wir danken allen Teilnehmer*innen die unserer Einladung folgten.

AUTONOME ANTIFA COTTBUS

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Redebeiträge:

Zwischenkundgebung:

Redebeitrag der Autonomen Antifa Cottbus

Hallo Demo,

Heute Nacht ist es genau eine Woche her seit das linke Hausprojekt „Zelle79“ wiederholt Ziel eines Anschlags durch Neonazis wurde. Das Hausprojekt, getragen vom „Verein für ein multikulturelles Europa e.V.“, stellt einen wichtigen Ort in der alternativen Jugendarbeit in Cottbus dar. Hier können sich Menschen unabhängig von sozialen und kulturellen Milieus vernetzen, bilden und in das Vereinsleben einbringen.

In der Nacht vom 23.5. zum 24.5. versuchten ca. 10 Vermummte unter massiver Gewalteinwirkung das Haus zu beschädigen und sich Zutritt zu verschaffen. Die Eingangstür wurde demoliert, Fenster zerstört und mehrere Schmierereien angebracht. Es wurden Steine geschmissen und ein vor dem Haus stehender Sessel mit Pyrotechnik in Brand gesteckt. Während des Anschlags waren immer wieder die Parolen „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus“ zu vernehmen.

Zum Zeitpunkt des Anschlags befanden sich mehrere Menschen im Haus. Das es nur bei Sachschäden blieb und niemand verletzt wurde ist vor allen dem schnellen und entschlossenen Handeln einiger Nachbarn zu verdanken, welche den Brand löschten. Es ist nicht auszudenken was geschehen wäre hätten die Flammen auf das Haus übergegriffen.

Da es sich bei der „Zelle79“ auch um ein Wohnhaus handelt, nahmen die Neonazis, die für diese Anschläge verantwortlich zu machen sind, dabei die direkte Gefährdung von Menschenleben zumindest in Kauf.

Der Anschlag reiht sich in eine Reihe von Übergriffen auf die „Zelle79“ und die antifaschistische Szene in Cottbus allgemein ein und bildet deren vorläufigen Höhepunkt. So kam es innerhalb des letzten Monats immer wieder zu einzelnen kleinen Angriffen gegen das Hausprojekt. Beispielsweise wurde die Eingangstür im Zuge eines Fußballspiels des FC Energie Cottbus demoliert und in der Nacht vom 02. auf den 03. Mai wurde das Haus mit Farbbeuteln beworfen.

Innerhalb kürzester Zeit tauchten zudem vermehrt rechte Schmierereien im direktem Umfeld der „Zelle“ sowie im Stadtteil Sandow auf. Einige Beispiele sind die Schriftzüge „Cottbus bleibt braun“ in Höhe des Bahnübergangs Parzellenstraße und „Linke ins KZ“ an der Bahnunterführung Willy-Brandt-Str.

Täter

Erste Informationen deuten darauf hin, dass sich die Gruppe der Täter aus organisierten Neonazis und rechtsradikalen Fußballfans zusammensetzt. Diese Überschneidung hat in der Lausitz im allgemeinen, sowie in Cottbus im speziellen leider eine lange Tradition und konnte in den letzten Jahren wieder vermehrt beobachtet werden. So war beim Auswärtsspiel des FC Energie Cottbus gegen Babelsberg 03 am 15. April 2015 in Potsdam eine Mischung aus eben genau diesen beiden aktiven Szenen sichtbar. Neben einer Fahne mit antiziganistischem und antisemitischem Aufdruck waren massenweise rechtsradikale Parolen hörbar.

Historie

Die Vorfälle erinnern stark an das Jahr 2010 und die faschistische Strategie der „National befreiten Zone“. Damals gab es ähnliche Anschläge auf die Räumlichkeiten des „Piraten e.V.“ in Spremberg, das Jugend- und Kulturzentrum „Park7“ in Forst und am 11. November schließlich auf die „Zelle79“. Die Herangehensweise war dabei immer eine ähnliche. Mit zerbrochenen Gehwegplatten wurden damals die Scheiben der „Zelle“ eingeworfen. Dabei bildeten diese Ereignisse im Zusammenhang mit den drei Brandanschlägen in Dresden und Berlin im Oktober einen ostdeutschen Trend. Wie durch ein Wunder wurden dabei keine Menschen getötet.

Das erste Todesopfer des Jahres 2010 gab es am 24. Oktober in Leipzig. Kamal K., ein 19-jähriger Iraker wurde von dem bekennenden Neonazi Marcus E. niedergestochen.

Wir sind heute hier um Solidarität mit dem Hausprojekt „Zelle79“ zu zeigen und um unsere Wut über diesen feigen Anschlag kämpferisch auf die Straße zu tragen. Mit der Demonstration wollen wir ein Zeichen setzen und zeigen das Cottbus sich von solchen Angriffen nicht einschüchtern lässt. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen, die direkt und indirekt von dem Angriff auf die „Zelle79“ betroffen sind.

Es ist immer ein Angriff auf uns alle!

 

Redebeitrag des Bündnises NoTDDZ

Keine Zukunft für Nazis! TDDZ in Neuruppin verhindern!
Am 6. Juni 2015 planen Neonazis in der brandenburgischen Stadt Neuruppin ihre seit 2009 jährlich stattfindende Kampagne zum sog. „Tag der deutschen Zukunft“ (TDDZ) fortzusetzen. In diesem Rahmen wollen sie einerseits durch Anheizen rassistischer Denkmuster an bestehende Ressentiments und die rassistische Stimmungen in Teilen der Gesellschaft anknüpfen und andererseits eine Drohkulisse gegenüber Migrant_innen und Geflüchteten aufbauen.demo4

Dafür engagieren sich die lokal ansässigen Strukturen der „Freien Kräfte Neuruppin/ Osthavelland“. Sie wollen mit diesem Großaufmarsch, bei dem bis zu 500 Teilnehmer_innen erwartet werden, an vergangene neonazistische Veranstaltungen in Neuruppin anknüpfen und ihre Position in der Region Nordwestbrandenburg festigen.

Der Tag stellt den Höhepunkt einer bereits laufenden Reihe von Versammlungen und Aktionen dar. Dabei wird jede Gelegenheit genutzt, um sich in Szene zu setzen und Anhänger_innen zu mobilisieren. Es ist mit einem der größten Aufzüge seit den jährlichen Märschen im brandenburgischen Halbe zu rechnen.

Wir wollen dies nicht hinnehmen und rufen alle engagierten Antifaschist_innen dazu auf, gemeinsam den Neonazis entgegen zu treten und den TDDZ durch Menschenblockaden scheitern zu lassen.

Wir setzen uns für ein solidarisches Miteinander, Chancengleichheit und freie Entfaltungsmöglichkeit für alle Menschen ein. Eine “Zukunft” voller Ausgrenzung und Unterdrückung muss verhindert werden!

Kommt am 6. Juni 2015 nach Neuruppin und lasst uns gemeinsam dem TDDZ blockieren.
Keine Zukunft den Nazis!

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Abschlusskundgebung:

Redebeitrag der Bewohner*innen der Rigaer94 für die Demo >>Kein Kiez für Nazis<< (Berlin) vom 28. August 2010

Vorgetragen von der Autonomen Antifa Cottbus

Hallo Demo […]

Angriffe von Neonazis auf Hausprojekte sind nichts Neues. Der Vielzahl dieser Angriffe seit Beginn der Geschichte von Hausprojekten wurde auf unterschiedlichste Weise begegnet. Von gut organisierten Verteidigungsstrukturen und kontinuierlicher antifaschistischer Arbeit bis hin zu kopflosen Reaktionen und Passivität war und ist immer noch alles dabei.

Dies nehmen wir zum Anlass, die Rolle von Hausprojekten im antifaschistischen Kampf näher zu betrachten.

Viele Hausprojekte bieten Strukturen für antifaschistische Initiativen und bilden lokale Ausgangspunkte für offensives Agieren, sowie einen Schutzraum gegen Neonazis. Genau das macht sie zu einem beliebten Ziel der Neonazis, die die Hausprojekte sowie andere linke Lokalitäten und Zentren stellvertretend für eine radikale Linke angreifen.

Die altgediente Phrase des „antifaschistischen Selbstschutzes“ sollte genau deshalb als etwas betrachtet werden, was wir uns ständig neu erarbeiten. Dies hört nicht dabei auf, Neonazis die Straße um die Ohren zu hauen, sondern fängt schon dabei an, Nazipropaganda aus dem Umfeld zu entfernen, sie aus ihrer Anonymität zu reißen und ihnen keinen Raum zu überlassen.

 

demo2Deshalb möchten wir an alle Hausprojekte appellieren, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und die Bedrohung ernstzunehmen, ohne sich dabei abzuschotten und stattdessen offen und ansprechbar zu bleiben. Denn wir alle tragen die Verantwortung für einen antifaschistischen Kampf mit, der auch dazu ermutigen soll, aktiv zu werden.

Ein antifaschistischer Konsens muss aber nicht nur nach außen getragen, sondern auch innerhalb der Projekte erarbeitet werden. Dies beinhaltet eine ständige Auseinandersetzung mit eigenen Tendenzen zu Hierarchie, Rassismus und Antisemitismus. Einfach nur in Hausprojekten zu leben, oder sich in linken Strukturen aufzuhalten, bedeutet noch lange nicht, diese Auseinandersetzung geführt zu haben und antifaschistisch aktiv zu sein.

Letztendlich müssen Nazis nicht nur auf der Straße bekämpft, sondern auch die gesellschaftlichen Grundlagen von Faschismus immer wieder aufgedeckt und angegriffen werden. Auch unser eigenes Verhalten sollten wir dabei stets reflektieren!

Kampf dem Faschismus heißt auch Kampf dem System!

Für uns solls schwarz-rote Rosen regnen!

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